1974

mit Bezug zu: Electro 2021 (Mick Jagger: "The Rolling Stones"), "European Graduate Center" (Paolo Knill), "Die Kultur. Eine unabhängige Zeitung mit internationalen Beiträgen", "Warenform" (George Orwell: "Farm der Tiere", Ausgabe Zürich: Diogenes 1974), "Meine dialektische Methode" ("The Practical Joker", 21. September 1974), Martin Dannecker / Reimut Reiche: "Der gewöhnliche Homosexuelle. Eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik" (Frankfurt am Main: S. Fischer 1974), Jean Améry**, Ursula Pommer (Kinocharts 1974: 3. "Der Exorzist" = William Friedkin: "The Exorcist", 1973), Postcolonial Studies (Teju Cole: "Open City", 2011 → "Der Pate II" = US Cinema Charts 1974: 6. Francis Ford Coppola: "The Godfather Part II"), Andrija Puharich: "Uri. A Journal of the Mystery of Uri Geller", New York: Anchor Press/Doubleday 1974 (Alfred A. Knopf → Doubleday), Paris: Olympia (Valerie Solanas → Andy Warhol), Paris, Rue Campagne-Première (Alan Jarvis: "Douglas Duncan. A Memorial Portrait", Toronto: University of Toronto Press 1974), Milano: Feltrinelli (Sul rapporto tra antimperialismo, antisionismo, antisemitismo e terrorismo → Friedrich Dürrenmatt: "Zusammenhänge/Nachgedanken. Essay über Israel", 1974), Nelkenrevolution in Portugal.

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Mario Leis: "Leni Riefenstahl", Hamburg: Rowohlt 2019, S. [85]:

"Im Jahr 1972 rief das Londoner 'Sunday Times Magazine' bei Leni Riefenstahl an und bat sie im Auftrag ihres Fans Mick Jagger um eine Fotoserie. Triumph des Willens will er sich mindestens fünfzehnmal angeschaut haben. Die Siebzigjährige lichtete den Rockmusiker und seine Gattin Bianca Jagger nur zu gern ab, versprach doch die Zusammenarbeit mit dem Rockmusiker einen Imagezuwachs*. 1974 wurden ihre Filme auf einem feministischen Filmfestival in Colorado vorgeführt. Sie wurde als Ehrengast in die alte Goldgräberstadt Telluride eingeladen und verbuchte die Veranstaltung, auch wenn sich vor der Tür einige Demonstranten sammelten und ein Teil der Presse sich kritisch äußerte, als großen Erfolg. Zudem lud der Regisseur Francis Ford Coppola sie zu einem Dinner nach San Francisco ein, und beide schienen voneinander begeistert: Ihn interessierte meine Schnitt-Technik. Die Stunden mit diesem genialen Regisseur, der damals wie ein großer Teddybär aussah, waren für mich ein Erlebnis, denn wir sind beide filmbesessen. [217: 'Memoiren', München: Albrecht Knaus Verlag 1987, S. 815] Auch Andy Warhol reihte sich - wie auch der Rocksänger David Bowie - in die Verehrerriege ein. 1974 besuchte Riefenstahl den Künstler in seiner New Yorker 'Factory' und fühlte sich geschmeichelt.

Gern wird die Künstlerin seitdem als eine zitierfähige Pop-Ikone betrachtet, auch in der Film- und Musikbranche: Der holländische Regisseur Paul Verhoeven, berühmt durch 'Basic Instinct' (1992) [imdb tt0103772] , 'bediente' sich in seiner Mittelalterserie 'Floris' (1969) [imbd tt0063897] aus Triumph des Willens, er zitierte 'bei der Darstellung der Bösewichte einige Szenen, etwa die Parteitagsteilnehmer bei der Morgentoilette oder wenn Hitler die Fahnen berührt'. [218: 'Die Welt', 22. August 2002] Auch in seinem Science-Fiction-Film 'Starship Troopers' (1997) [imdb tt0120201] bezieht er sich ausdrücklich auf Riefenstahls Parteitagsfilm: 'Diese Zitate sind nicht selbstzweck. Sie zeigen, dass die Gesellschaft von ›Starship Troopers‹ ähnlich militärisch geprägt ist wie die des Dritten Reiches. Der Bezug ist also stilistisch und historisch zugleich.' Der Filmtheoretiker James Monaco sieht in den Einstellungen auf Soldatenformationen aus 'Star Wars' (1977) [imdb tt0076759] des Regisseurs George Lucas 'eine Parodie des Parteitagfilms'".

Abb. Telluride Film Festival in Colorado, 2011, von filmbuff421 unter Creative-Commons-Lizenz CC BY 2.0 (modifiziert).

 

[ Anmerkungen. annotations. remarques. notes ]

* Die Aufnahmen entstanden im Zusammenhang mit einer Reportage für die "Sunday Times", erschienen am 29. Sept. 1974. In Kurts Bibliothek war Leni Riefenstahl: "Die Nuba. Menschen wie von einem anderen Stern", München: Paul List 1973.

S.a. Kate Conolly: "Film suggests Nazis' lead propagandist had role in 1939 massacre. Letter [from 1952] in Leni Riefenstahl archive appears to claim her set instructions led to deaths of Polish Jews, says director", "The Guardian", 28. August 2024: "A new documentary [by Andres Veiel] on the Nazis' favourite film-maker and lead propagandist Leni Riefenstahl suggests she was a direct witness to murderous crimes of the Third Reich she later claimed to have known nothing about, and may even have contributed to one herself" ("Ein neuer Dokumentarfilm über die beliebteste Filmemacherin und führende Propagandistin der Nazis, Leni Riefenstahl, legt nahe, dass sie direkte Zeugin mörderischer Verbrechen des Dritten Reichs war, von denen sie später behauptete, nichts gewusst zu haben, und möglicherweise sogar selbst zu einem beigetragen hat").

** Am 6. Oktober 1973 begann der Jom-Kippur-Krieg. Drei Mitglieder der PFLP-GC ['Volksfront zur Befreiung Palästinas - Generalkommando'] überqueren am 11. April 1974 die israelische Grenze aus dem Libanon, dringen in ein Wohnhaus in der Stadt Kiryat Shmona ein und töten dort alle achtzehn Bewohner, die Hälfte davon Kinder. Militante Palästinenser der Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas kommen am 15. Mai aus dem Libanon über die israelische Grenze. Sie überfallen einen Lieferwagen und töten zwei israelische Araberinnen, sie dringen in ein Wohnhaus in der Stadt Ma'alot ein und töten ein Ehepaar und dessen vierjährigen Sohn. Danach übernehmen die militanten Gruppen eine örtliche Schule und nehmen 105 Schüler und 10 Lehrer als Geiseln. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung von 23 militanten Palästinensern aus israelischen Gefängnissen, andernfalls würden sie die Schüler töten. Am zweiten Tag der Geiselnahme stürmte eine Einheit der Golani-Elitebrigade das Gebäude. Bei der Übernahme des Gebäudes zündeten die Geiselnehmer ihre Granaten und schossen auf die Kinder. Letztlich wurden 25 Geiseln getötet, darunter 22 Kinder; 68 weitere wurden verletzt. Drei militante palästinensische Gruppen drangen am 24./25. Juni auf dem Seeweg vom Libanon in die israelische Küstenstadt Nahariya ein. Bei dem Angriff wurden drei Zivilisten und ein israelischer Soldat getötet. Ein Trans-World-Airlines-Flugzeug mit 88 Passagieren auf dem Weg von Tel Aviv nach Athen stürzt am 8. September ins Ionische Meer, nachdem militante PFLP-Kämpfer eine im Gepäckraum versteckte Bombe gezündet haben, wobei alle 79 Passagiere und 9 Besatzungsmitglieder an Bord getötet wurden. Am 22. November 1974 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution 3236, die das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung anerkennt, die Kontakte der Vereinten Nationen mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation offiziell macht und die "Palästinafrage" auf die Tagesordnung der Vereinten Nationen setzt (WP, "1974 in Israel").

"During the 1973 Arab-Israeli War, Arab members of the Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) imposed an embargo against the United States in retaliation for the U.S. decision to re-supply the Israeli military and to gain leverage in the post-war peace negotiations. Arab OPEC members also extended the embargo to other countries that supported Israel including the Netherlands, Portugal, and South Africa. The embargo both banned petroleum exports to the targeted nations and introduced cuts in oil production. [...]

The U.S. response to the events of 1973-1974 also clarified the need to reconcile U.S. support for Israel to counterbalance Soviet influence in the Arab world with both foreign and domestic economic policies" (history.state.gov/milestones/1969-1976/oil-embargo).

"Die Bundesrepublik erlässt das Energiesicherungsgesetz. Es verordnet dem Land vier autofreien Sonntage am 25. November sowie am 2., 9. und 16. Dezember, außerdem ein sechsmonatiges Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf Autobahnen sowie 80 auf Landstraßen. Rund 13 Millionen Autobesitzer sind betroffen. Es gelten nur wenige Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot, etwa für Ärzte, Feuerwehr, Taxifahrer und die Polizei. Im Vorfeld kommt es zu einzelnen Protesten: "Freie Bürger fordern freie Fahrt!", steht auf Plaketten, die der ADAC verteilt und mit denen aufgebrachte Autofahrer und -fahrerinnen ihren Unmut kundtun" (Irene Altenmüller: "1973. Ölkrise beschert Deutschland autofreie Sonntage", Norddeutscher Rundfunk, 26.11.2023).

Eine (umfassendere) Energiekrise wurde 1979 durch die Islamische Revolution im Iran ausgelöst.

Der von der 1969 in München gegründeten Band "Love Generation" (aufgelöst 1978) im Jahr 1972 eingespielte Song "Israel" (Re-Release in Großbritannien, USA und Brasilien 1973) schaffte es 1974 auf die Sampler "1974 - 20 Tophits Original" und "Stars & Hits Für Das Rote Kreuz 73-74": "[...] Viele kamen zurück in ihr Land / In das Land ihrer Väter / Doch sie fanden nur Steine und Sand / Blumen wuchsen bald später [...]". Er steht im Kontrast zum Antizionismus großer Teile der damaligen sozialistischen Linken.

 

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Register der Überlieferung der Übersetzungen bis 1950
Personenregister (Übersetzungen etc.)
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