mit Bezug zu: Frankfurt: Syndikat (Stefan Breuer: "Krise der Revolutionstheorie", 1977), Berlin: Merve (Luce Irigaray: "Waren, Körper, Sprache. Der ver-rückte Diskurs der Frauen", 1976; Michel Foucault: "Mikrophysik der Macht. Über Strafjustiz, Psychiatrie und Medizin", 1976; Louis Althusser: "Freud und Lacan", 1976), Ursula Pommer (Marie Winn: "Children without childhood", 1983; Neil Postman: "The Disappearance of Childhood", 1982; Marshall McLuhan: "Understanding media. The Extension of Man", 1975; Friedrich Kittler: "Technologies of Writing", 1996), "Nominalismusproblem", "Adler oder Sonne", "European Graduate School" (Marshall B. Rosenberg: "Lebensentfremdende Kommunikation")
Winfried Gerhards: "Handbuch der phantastischen Fernsehserien", Hamburg: "Edition Cryphon" 2001, S. 85:
Deutsche Ausstrahlung: ZDF 1986; 6 Episoden (Doppellänge) ZDF 1988; 13 Episoden.
Darsteller: John Shackley (William Parker), Ceri Seel (Jean-Paul, 'Beanpole'), Jim Baker (Henry Parker), Robin Hayter (Fritz - 1985), John Woodvine (Meister 468 - 1985).
2089. Die Herrschaft der ausserirdischen dreibeinigen Herrscher währt nun schon seit über 100 Jahren. Eine eventuelle Rebellion wird durch Gehirnmanipulation verhindert. Jeder, der das sechzehnte Lebensjahr vollendet hat, wird mit einem Kontrollwerkzeug versehen. Diese Operation wird als Einführungsritual in das Erwachsenenleben getarnt.
William und Henry Parker, zwei Cousins, steht dieses Ritual bevor. Sie nehmen sich jedoch den Flüchtling Ozymandias* als Vorbild und ergreifen die Flucht. Ihr Ziel ist die Schweiz, in der die sagenumwobenen Freien Menschen leben sollen. Während ihrer Reise treffen sie Jean-Paul, von ihnen Beanpole genannt, der sich ihnen anschließt. Zu dritt erleben sie die verschiedensten Abenteuer [...].
[...E]s gelingt ihnen, einen der Herrscher zu zerstören. Letztlich erreichen sie tatsächlich die Freien Menschen [Ende Staffel 1]. In den Schweizer Alpen wird ein Plan geschmiedet, der das Ende für die dreibeinigen Herrscher bedeuten soll. Will, Beanpole und Fritz, ein deutscher Junge, werden ausgewählt, an den jährlichen Spielen in der Stadt der Herrscher teilzunehmen, um so neue Erkenntnisse zu gewinnen. Nachdem sie aus den Spielen als Sieger hervorgehen, werden Will und Fritz in die Goldene Stadt gebracht, Beanpole bleibt zurück. Während Fritz den Sklaven zugeordnet wird, soll Will einem Meister, wie die Schöpfer der dreibeinigen Herrscher genannt werden, als Diener zur Verfügung stehen. Will gelingt die Flucht. Gemeinsam mit dem wiedergefundenen Beanpole macht er sich auf den Weg in die Weissen Berge, um das Wissen, das er und Fritz gewonnen haben, weiterzugeben.
Basierend auf den Romanen von John Christopher [Pseudonym von Christopher Samuel Youd, 1922-2012], sollte diese Serie die gesamte Triologie umfassen. Nach etwa zwei Dritteln der Geschichte wurden jedoch die finanziellen Mittel gestrichen. Der Grund waren schlechte Kritiken und niedrige Einschaltquoten. Obwohl die Serie interessante Ideen aufzuweisen hatte, war der Storyablauf nur sehr zäh - die notwendige Spannung wollte nicht aufkommen. Vorlageromane der Serie waren 'The White Mountains' (Dreibeinige Monster auf Erdkurs) [
London: Hamish Hamilton, New York: Simon & Schuster 1967] [...] und 'The City Of Gold And Lead' (Das Geheimnis der dreibeinigen Monster) von 1967. Der dritte, nicht mehr verfilmte Roman ist 'The Pool Of Fire' (Der Untergang der dreibeinigen Monster) von 1968. John Christopher schrieb ebenfalls die Vorlage zur Serie 'Die Wächter' (qv). [...]".
Abb. Buchillustration von Henrique Alvim Corrêa in H.G. Wells: "War of the Worlds", "Krieg der Welten", "La Guerre des mondes", Paris: Mercure de France 1906, frz. Ausgabe. Auch diese waren schon "dreibeinige** Herrscher". In der Serie "Tripods. Die dreibeinigen Herrscher" wird ein Dualismus aufgemacht, einerseits zwischen den "Tripods" und der "Natur" (der Lehrer in der ersten Episode), andererseits zwischen den "freien Menschen" und den von den "Tripods" Kontrollierten. Zwar hätten die "Dreibeiner" die Menschen vor sich selbst und ihrem ökologischen Zerstörungsdrang gerettet, ihnen aber gleichzeitig den Sinn für Kreativität und Abenteuer genommen. Die Ökodiktatur der "Tripods" erscheint damit als Höhepunkt einer Erzählung einer Entfremdung von der (eigenen) Natur, die Menschen werden zu einer vorindustriellen Produktionsweise gezwungen. Das Finale beider Staffeln schließt mit der jeweiligen Tötung eines "Herrschers". Die sozialismuskritische Töne enthaltende Umsetzung entmenschlicht zunächst die 'Imperialisten', indem sie unpersönlich-mechanistisch nur in Form von dreibeinigen monströsen Maschinen erscheinen, um sie dann in Gestalt der krakenähnlichen "Meister"*** der "Goldenen Stadt"**** als machiavellistische Negativfiguren einer unsichtbar-sichtbaren Elite zu repersonalisieren.
[ Anmerkungen. annotations. remarques. notes ]
* Ozymandias ist der Titel eines bekannten Gedichts von Percy Bysshe Shelley aus dem Jahr 1817. Der titelgebende Name Ozymandias [...] ist die von Diodor gräzisierte Version des Thronnamens 'User-maat-Re', 'Re-User-maat' des altägyptischen Pharaos Ramses II.. [...] In dem Sonett geht es um die Erzählung eines Wanderers, der in einer Wüste auf ein zerfallenes Monument des Königs Ozymandias stößt. Thema ist die Vergänglichkeit irdischer Werke" (WP).
Abb. Bild von Garriet (2008) unter Creative-Commons-Lizenz CC BY 2.0 (Ausschnitt, modifiziert).
*** Julia Bernstein und Florian Diddens: "Antisemitische Kontinuitäten in Bildern", Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag 2023, S. 23f.: "Der [...] israelische Ministerpräsident [Benjamin ] Netanjahu wird nicht nur mit antisemitischen Stereotypen (große Nase, abstehende Ohren, sinisteres Gesicht)*****, sondern der Bildsprache des Antisemitismus entsprechend als in einem Davidstern befindlicher Kraken entmenschlicht. Arme und Beine werden gedoppelt und als Tentakel dargestellt, wobei die gedoppelten Elemente aus den äußeren Dreiecken des Davidsterns ragen. In den Händen hält er zwei durch Dollarnoten gekennzeichnete Geldsäcke. [...] Auch im nationsozialistischen Kinderbuch 'Der Giftpilz' [1938] wird das Geldsack-Motiv verwendet, um Juden zu dämonisieren. Ein mit antisemitischen Stereotypen markierter Jude wird als 'Bonze', 'Banker' oder 'Kapitalist' und auf einem Geldsack sitzend vor der Börse dargestellt. Dieses Szenario soll unbändigen Reichtum und Macht symbolisieren [eine im z.B. Bild des Kraken weltumfassende Macht], spiegelbildlich dazu Ausbeutung und Unterdrückung. Damit wird mit dem Verweis auf die Börse die abstrakte Finanzsphäre des Kapitalismus eingeführt, ein Jude soll diese personifizieren. Das Szenario steht für die symbolische Konkretisierung dieses abstrakten Verhältnisses und der imaginierten Ausbeutung der Gemeinschaft durch Juden".
**** "Die goldene Stadt" ist auch ein deutscher Spielfilm in Agfacolor von Veit Harlan aus dem Jahr 1942; "Harlan drehte nach dem Bühnenstück 'Der Gigant' von Richard Billinger ein optisch hervorragendes Melodram, in dem trübe Mystik, Blut- und Boden-Ideologie und die Diskriminierung 'slawischer Als locus terriblis (schrecklicher Ort) wird die Stadt dem Landleben gegenübergestellt und beerbt einen Gegensatz des christlich sittsam gedachten Dorfes gegenüber dem heidnisch teuflischen Wald, in dem der Artusritter der höfischen Romane des Hochmittelalters aventüre (Abenteuer) besteht oder in dem die Märchenfiguren der Gebrüder Grimm, Hänsel und Gretel (ATU 327A, KHM 15, Fassungen von 1810 und 1819), der Hexe des Lebkuchenhauses begegnen. In "Die Goldene Stadt" träumt Anna Jobst, Tochter eines in der Nähe von Budweis lebenden reichen Bauern, zu dessen Grund ein großes ungenutztes Moor gehört, davon, einmal die goldene Stadt Prag zu sehen. Sie gleicht darin ihrer Mutter, welche, als Anna vier Jahre alt war, im Moor umkam. Ihr Vater sagt, sie habe im Dunklen den Weg verfehlt und sei in den Sumpf geraten. Aber die Leute sagen, weil sie weg wollte von Mann und Kind, habe sie der Wassermann geholt.
Die Ausgestaltung eines völkischen Wir-Die-Gegensatzes im Medium eines Land-Stadt-Dualismus bietet nicht nur Gelegenheit für verkürzten Antikapitalismus und Ressentiment gegenüber der Moderne, "Modernismus", "Globalismus", sondern wendet zudem in einer unbewussten Projektion die Erfahrungen antisemitischen Ausschlusses und das resultierende Unbehagen der Verfolgten gegen diese selbst. Deren "Nirgendwomehr hat keine geographischen Koordinaten, keine Grenzen, hat keine Stadtmauern, nicht mal Wände und schon gar kein schützendes Dach. Nirgendwomehr ist für uns mittlerweile überall. Und dieses Nirgendwomehr sitzt tief und uralt in unserer Seele. Und dieses Nirgendwoher ist eine immer wiederkehrende jüdische Grunderfahrung. Das merkt man auch beim Blick in die Psalmen [...]. In meinem hebräisch-deutschen Tehilim-Buch steht bei Psalm 18.3 beispielsweise '... mein Gott, mein Fels, bei ihm suche ich Zuflucht...'" (Ramona Ambs: "Nirgendwomehr", Reihe "Spiritus. Geistvoll in die Woche", evangelisch.de, 24.06.2024).
***** S. also Bram Stoker: "Dracula", 1897, source network containing Gothic Novel, "Schauerroman", Romanticism, antisemitic, pseudo-medicinal and ethnographical literature ("Dracula" is part of Crowley's book bag on K2, too):
(a) 2. Joh. 2:22-23; "Histori von dem pösen Dracol, der vil wunders und ubels begangen hat", Augsburg 1466; "Short Description and Tale of a Jew with the Name Ahasuerus", Leiden 1602; Gerald van Swieten: "Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus", 1768; Johann Caspar Lavater: "Von der Physiognomik", Leipzig 1772;
(b) Ann Ratcliffe: "The Mysteries of Udolpho", 1794, and "The Italian", 1796; Matthew Gregory Lewis: "The Monk", 1796 [Topos of the Villain];
(c) James Cowles Prichard: "Researches into the Physical History of Mankind", 1813-1847 [Physiognomy in Ethnography];
(d) Mary Shelley: "Frankenstein. Or The Modern Prometheus", 1818; John William Polidori: "The Vampyre", 1819; Charles Robert Maturins "Melmoth the Wanderer" [Adaption of the topos of the Wandering Jew], 1820; Lord Byron: "Cain", 1821 [Adaption of the topos of a cosmic resistance against God];
(e) William Wilkinson: "An Account of the Principalities of Wallachia and Moldavia", 1820 [Adaption of Vlad Tepes Draculea, perhaps from similar sources also adaption of Elisabeth Bathory];
(f) Charles Dickens: "Oliver Twist", 1838 [Fagin], Edgar Allen Poe: "The Fall of the House of Usher", 1839; Wilkie Collins: "The Woman in White", 1859; Sheridan LeFanu: "Carmilla", 1872;
(g) Cesare Lombroso: "L'uomo delinquente. In rapporto all'antropologia, alla giurisprudenza ed alle discipline carcerarie", Turin 1876 [Topos einer Physiognomie des Verbrechers, Topos of the Physiognomy of a Villain];
(h) Emily Gerard: "The Land beyond the Forest", 1888 [Transylvanian myths about Strigoi];
(i) Max Nordau: "Entartung", 1892/93 [Topos of Degeneration and Atavism]; George du Maurier: "Trilby", 1895 [Svengali]; Richard Francis Burton: "The Jew, The Gypsy and El Islam", 1898 [Racist theories of 19th century].
Register der Überlieferung der Übersetzungen bis 1950
"GB/AUS 1984/1985; 25 Episoden [Original Release: 15. September 1984 - 23. November 1985, BBC in Großbritannien, Seven Network in Australien].
** "Die Geisterwelt. Eine Schatzkammer des Wunderglaubens", Berlin: Hollstein 1869, 1. Lieferung, Kapitel "Der Teufel", S. 9: "Die Thiergestalten, mit den der Teufel sich umkleidete [in Sagen aus der finsteren Zeit der Hexenprozesse], haben häufig nur drei Beine - dreibeinige Thiere galten als gespenstige und zeigten sich gerne dem Soldaten, welcher auf einsamen Posten wache stand".
Untermenschen' eine unselige Verbindung eingehen. Auch die nach 1945 in den bundesdeutschen Kinos angebotene gekürzte Fassung konnte die NS-Tendenz nicht verleugnen" (Klaus Brüne: "Lexikon des internationalen Films", Band G-H, Hamburg: Rowohlt 1987, S. 1372); "[d]er Mythos von Blut und Boden bestimmt diesen Film; den kernigen Bauern werden die verderbten Städter gegenüber gestellt und der Tscheche Toni, der Ausländer, diskreditiert" (Dieter Krusche: "Reclams Filmführer", Stuttgart: Reclam 1982, S. 214).
Personenregister (Übersetzungen etc.)
Adressregister
Zurück zum Inhaltsverzeichnis
E-Mail: kriswagenseil [at] gmx [point] de