Erste Hypothese Ungarn

mit Bezug zu: Chromosomenbrowser: "35 Prozent Regenbogen" (MyHeritage), Gen. 12, Ellÿ Anna Neumann, "A fascinating, and yet sad story [...]", Hypothese 1.1: Zwangsarbeit in Marieburg, Westpreußen, Hypothese 1.2: Budapest, Hypothese 1.3: GV Kittsee, Ungarn + Amsterdam, Rotterdam → Kolonial-Niederländischer Kontext

 

Zwangsarbeit

Marc Buggeln: "Die Zwangsarbeit im Deutschen Reich 1939-1945 und die Entschädigung vormaliger Zwangsarbeiter nach dem Kriegsende. Eine weitgehend statistische Übersicht", Working Paper Series A, No. 4, eds. Elizabeth Harvey and Kim Christian Priemel, Berlin: Independent Commission of Historians Investigating the History of the Reich Ministry of Labour (Reichsarbeitsministerium) in the National Socialist Period 2917, Tabelle 10 "Männliche und weibliche zivile ausländische Arbeitskräfte nach Staatsangehörigkeit, 30. September 1944", S. 8, listet u.a.:

MännerFrauenZusammenAnteil der FrauenZus. in % aller ausl. Ak.
Sowjetunion1.062.507 1.112.137 2.174.644 51,1 36,4
Polen 1.115.321 586.091 1.701.412 34,4 18,5
Niederlande 233.59120.953254.5448.24,3
Ungarn 17.206 7.057 24.263 3,0 0,4
Insgesamt 3.986.306 1.990.367 5.976.673 33,3 100

Ebenda: "Die letzte Aufschlüsselung über die Wirtschaftsbereiche, in denen die weiblichen Zwangsarbeiterinnen eingesetzt waren, stammt vom 15. August 1944".

Ebenda, Tabelle 11 "Wirtschaftsbereiche der weiblichen Zivilausländerinnen 15.8.1944":

Frauen insg. Landwirtschaft Gewerbe Hauswirtschaft Kaufm. Verwaltung
1.907.977 876.648 (46 %) 798.633 (41,9 %) 77.495 (4,1 %) 155.201 (8,1 %)

Ebenda, Tabelle 12 "Vergleich Arbeitsbereiche weibliche Zivilausländerinnen 1941 und 1944":

Landwirtschaft Gewerbe Hauswirtschaft Kaufm. Verwaltung
April 1941 65,9 % 18,8 % 11,2 % 4,1 %
August 1944 46,0 % 41,9 % 4,1 % 8,1 %

Mark Spoerer: "NS-Zwangsarbeiter im Deutschen Reich. Eine Statistik vom 30. September 1944 nach Arbeitsamtbezirken", in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte München, Jahrgang 49, Heft, 4, 2001, S. 665-684, insb. S. 683:

Flucht

Gregor Delvaux de Fenffe: "Polnische Westverschiebung", Planet Wissen, 2005: "Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 werden dann Entscheidungen getroffen, die vor allem für die deutsche Zivilbevölkerung in den Ostgebieten bei Kriegsende dramatische Folgen haben werden. In der iranischen Hauptstadt erörtern die alliierten Großmächte den Vormarsch auf das Deutsche Reich. Besonders der sowjetische Diktator Josef Stalin und der britische Premier Winston Churchill unterhalten sich über Politik, wie der Sohn des amerikanischen Präsidenten Roosevelt später berichtet. Die Sowjetunion pocht auf die Verkürzung der westlichen Grenzen zu Deutschland, um diese in künftigen Kriegen leichter gegen Deutschland zu verteidigen. Stalin will nicht nur die Zerschlagung des NS-Regimes. [...] Churchill signalisiert Entgegenkommen. Mit drei symbolischen Zündhölzern demonstriert er das Gedankenspiel einer Verschiebung der Staatsgrenzen. Das Streichholz ganz links steht für Deutschland, daneben in der Mitte ein Holz für Polen, rechts liegt Russland. Churchill schiebt das russische Streichholz nach links, drückt die anderen beiden dadurch nach links weg. 'Wie Soldaten, die seitlich wegtreten' sei das, so der englische Premier. Wenn man dabei auf einige deutsche Zehen trete, sei das nicht zu ändern" (planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/flucht_und_vertreibung/pwiepolnischewestverschiebung100.html).

"Nach 1943 verwandelte sich der deutsche Angriff auf die Sowjetunion, der im Sommer 1941 begonnen hatte, in einen stetigen Rückzug. Mit dem Näherrücken der Roten Armee wurde von den deutschen Behörden ab 1944 in einigen Gebieten (Jugoslawien, Slowakei) mit umfangreichen Evakuierungen der dortigen deutschen Bevölkerung begonnen. Anders sah es dagegen in Ostpreußen und den besetzten Gebieten Polens aus: Als sich die Front im Herbst 1944 in raschem Tempo näherte, begann dort die Flucht vieler Deutscher" (https://library.fes.de/library/netzquelle/zwangsmigration/33vertrpl.html).

Jan-Hinnerk Antons: "Flucht ins 'Dritte Reich'. Wie Osteuropäer Schutz im NS-Staat suchten (1943-1945)", in: "Zeithistorische Forschungen", Bd. 14, 2017, Heft 2, S. 231-257: "Mit der Wende des Zweiten Weltkrieges und dem beginnenden Rückzug der Wehrmacht entstand für die Menschen, die in den besetzten Gebieten mit den Deutschen zusammengearbeitet hatten, eine neue Situation. Die Rückkehr der alten Machthaber, in deren Augen sie Landesverräter waren, würde ganz sicher Repressionen für sie bedeuten. [...] Am 5. März 1943 wandte sich Goebbels in der Folge der propagandistischen Neuausrichtung mit der Aussage an die Presse, die 'Ostvölker' und insbesondere die 'Ostarbeiter' seien Verbündete und müssten gut behandelt werden. Seine Pläne zur Gleichbehandlung von West- und Osteuropäern wurden allerdings vom Reichssicherheitshauptamt (RSHA), der Partei und schließlich auch der Abwehr zurückgewiesen. Als Kompromiss entstand ein Merkblatt (15. April 1943), das bis Ende 1944 Grundlage der Ausländerpolitik des Reiches war. Darin wurde eine würdige Behandlung der 'Ostarbeiter' angeordnet und Zuwiderhandlung mit schweren Strafen belegt - doch die Realität sah anders aus. [...] Das RMO wies die Reichkommissare Ostland (RKO) und Ukraine (RKU) schon im Februar 1943 nachdrücklich darauf hin, dass die Aufnahme 'antibolschewistischer Flüchtlinge' zwar eine 'Belastung' sei, aber gleichzeitig eine 'Aufgabe von besonderer politischer Bedeutung'" (doi.org/10.14765/zzf.dok.4.968).

Monika Sieradzka: "Flucht aus dem Warschauer Ghetto", mdr.de, 16.11.2020: "Am 15. November 1940 wurde das Warschauer Ghetto abgeriegelt. 380.000 Juden waren auf engstem Raum zusammmengepfercht. Nur wenigen gelang die Flucht. Am letzten Tag vor dem Ausbruch des Aufstands gegen die deutschen Besatzer wurde Joanna Sobolewska-Pyz im April 1943 aus dem Warschauer Ghetto geschmuggelt. Dies rettete ihr das Leben - und ihr Schicksal steht für das vieler jüdischer Kinder, die später in polnischen Familien aufwuchsen".

Abb.Fig. Facebook, 19. April 2025, 7:47 Uhr, Gruppe "Ahnenforschung in Ost- und Westpreußen".

 

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