mit Bezug zu: "Empfehlung [...]", "Quexit", 2024, "35 Prozent Regenbogen" (🧬Ⅳ), Prozess im Landgericht
Abb. Friedrich Merz, Kanzlerkandidat der Christlich-Demokratischen Union, am 24.01.2025, dreißig Tage vor der vorgezogenen Bundestagswahl nach dem Misstrauensvotum gegenüber der sogenannten "Ampel"-Regierung von Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen, vier Tage nach Donald Trumps Antritt seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident, über Pläne zu Abschiebungen von Menschen ohne Papieren, die inhaltlich dem Programm der AfD nahekommen. Merz nimmt damit die sich selbst vormals gesetzte "Brandmauer" gegen Rechtsextremismus zurück.
(2) Doch seit dem 7. Oktober 2023 geht es nicht mehr darum, ob qualitative Forschungen eher bereichern. Es geht um die Frage, inwiefern gerade sie zu Antisemitismus neigen könnten, und zwar auch noch, weil sie linke Theorietraditionen beerben. Grundsätzlich besteht in dieser Debatte das Missverhältnis, dass konservative Diskursteilnehmende die methodische Herleitung von Ressentiments unter Linken stärker betonen, während sie das gleichzeitig in einer Form mitteilen, welche ähnliche Ressentiments den Linken gegenüber pflegt, die aber nicht als solche erkannt werden. Ihre Kritik an den Linken oder Qualitativen ist letztlich meist nicht gehaltvoller als eine strukturell antisemitische Rede von einer "jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung", um so dankbarer kann die Übernahme des Arguments des Antisemitismus unter Linken dafür verwendet werden, die eigene methodische Bodenlosigkeit - und vor allem den eigenen Antisemitismus - zu übertünchen. Das Instrumentarium des Naturalismus gestaltet sich eine ahistorische idealtypisch genormte, aber gleichzeitig notwendig mit Fehlerhaftem, Abweichung kontaminierte Objektwelt, die zwar geschichtslos, aber prozesshaft ist. So bestimmt verweigert sich die Abweichung, der Fehler zwangsläufig einer empirischen und damit einer theoretischen Handhabe - d.h. es bleibt eine mythische Umgangsweise übrig, eine Metaphysik des Bösen, die die Ränder der eigenen Kosmologie bis zum Eindruck gefühlter Vollständigkeit auffüllt, das Erbe des Inquisitors im Herzen des Physikers. In dieser Perspektive ist die Welt grundsätzlich vernünftig eingerichtet und die Abweichung zu problematisieren.
Abb. "Then-U.S. Senator JD Vance speaking with attendees at The People's Convention at Huntington Place in Detroit, Michigan. June 16, 2024", von Gage Skidmore, unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 2.0 (modifiziert), kombiniert mit Headline Patrick Wintour: "JD Vance's Munich speech laid bare the collapse of the transatlantic alliance", in: "The Guardian", February 15th, 2025 und einem Auszug aus der Rede vom 14. Februar 2025: "I believe there is nothing more urgent than mass migration. [...] To believe in democracy is to understand that each of our citizens has wisdom and has a voice".
Aus dem Artikel über die symbolisch erschütternde Rede des neuen amerikanische Vize James David Vance auf der Sicherheitskonferenz in München: "In identifying Europe's perceived faults - multiculturalism, 'globalism', migration, gay rights, liberal wokery - and in excluding Russia from criticism, the speech came close to arguing that US democracy was at best neutral on the relative values of Russia and of the European elite. For years, many Maga activists, such as Steve Bannon, have claimed an affinity with [Vladimir] Putin's ideologue Alexander Dugin, a man Bannon has met and praised. They both believe European elites promote a 'globalist' ideology that denies the existence of different cultures and traditions. But it was one thing for Bannon to see these connections, another for them to be echoed by the White House". Der Begriff "Globalisten", "der in der rechtsextremen Szene als antisemitisches Codewort im Zusammenhang mit Verschwörungsideologien wie z.B. der 'Neuen Weltordnung' [...] verwendet wird", dient diesen Kreisen dazu, "[d]ie Beschleunigung von gesellschaftlichem, wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Wandel [...] klar benennbaren Täter:innen, einer vermeintlichen 'Elite'" zuzuschreiben, die angeblich den Zweck verfolge, "einen 'Globalismus' zu errichten. [...] Hinter der global operierenden 'Elite' werden [...] 'die Juden' vermutet" (GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2021, unter Mitarbeit von Dr. phil. Darja Pisetzki, gra.ch/bildung/glossar/globalist).
Foto: Miguel Ángel Pulido Martínez, Iztapalapa, "in the plains of Guelatao", 1985, "[t]he monument was located in the plains of Guelatao, between the Vicente Guerrero Unit and the Cabeza de Juárez, where Cuitláhuac Park and several housing units are currently located. In the end, it turned out to be a replica that was built between May and June 1985 on Mexican soil" (Alejandro Peña: "When the Statue of Liberty stayed in Iztapalapa", mivaledor.com, 18.02.2022, modified). Tiobeli Cargo: "The American Dream is dead", "Der amerikanische Traum ist gestorben", in: "Freiwillige Umkehr wegen Trump in Mittelamerika", 00:0004:30, Michael Castritius, ARD Mexiko-Stadt, tagesschau, 21.03.2025 16:41 Uhr.
Fig./Abb. "Israel in the USA", Facebook Channel, Video "Palestinians protesting Hamas. Hundreds of Gazan citizens carried white flags and called to end Hamas' rule and to hand over the Israeli hostages", Credit: JNS.org, Joshua Robbin Marks, Text in Arabisch und Englisch: "Hey, hey, Hamas are terrorists", 28. März 2025. Matt Ford: "Fact check. Were protests in Gaza 'anti-Hamas'?", dw.com, Deutsche Welle, 03/28/2025: "In conclusion, it's difficult to state with certainty that the protests in Gaza this week were exclusively aimed against Hamas, nor can they be said to represent a general uprising against the group. Rather they reflect a broad range of opinions held among Palestinians in Gaza, including some explicitly anti-Hamas voices, but most of all, a feeling of desperation and war weariness after over a year of an Israeli military campaign directed against the enclave and yet another breakdown in a ceasefire". "Statement issued by Palestinian resistance factions", 2025/03/28: "[...] They are determined to blame the resistance and absolve the occupation, ignoring the fact, that the
Abb./Fig. "Sumy after Russian missile strike, 13 April 2025", von ДСНС України unter Creative-Commons-Lizenz CC BY 4.0 (modified), mit Zwischenüberschrift aus Max Nebel: "'Klassische deutsche Propaganda': Putins Staats-Presse nennt Sumy-Gräuel 'inszeniert'", 14.04.2025, 20:50 Uhr, Münchner Merkur, merkur.de. Ebenda: "Analysten wie CNN-Kommentator Nick Paton Walsh sehen darin eine klassische Taktik Moskaus: Durch gezielte Desinformation und die Schaffung paralleler diplomatischer 'Dialoge' gewinne Russland Zeit, um militärisch Druck aufzubauen. 'Putin setzt auf Abnutzung - sowohl an der Front als auch in den Köpfen der westlichen Öffentlichkeit', so Walsh". Dabei bedient sich Kreml-Sprecher Dimitri Peskow anderswo, "Moskau [warf] Kiew vor, die Zivilbevölkerung als 'menschliche Schutzschilde' zu missbrauchen", "zwei Iskander-M-Raketen hätten ein Treffen ukrainischer Kommandeure getroffen, bei dem mehr als 60 Soldaten getötet worden seien", als ob es sich um jemand wie die Hamas handele und eine Stadt auf derselben Ebene wäre wie eine paramilitärisch ausgebaute Schule oder ein Krankenhaus, "nach ukrainischen Angaben [wurden] 34 Menschen getötet und 117 verletzt".
Abb. "Oberhessische Presse" vom Mittwoch, 18. Juni 2025: "Sorge nach Mordaufrufen. Israelis-Töten-Parolen am Ortenbergsteg / Die 'Linke' warnt vor Radikalisierung der Pro-Palästina-Szene" von Björn Wisker. Ein anderes Graffito enthält: "1 settler 1 bullet". Am Freitag, 13. Juni, hatte Israels Militär begonnen, Ziele im Iran zu bombardieren.
Abb./Fig. Screenshot von Facebook, 09.07.2025.
Diese lehnen die aus tradierten Lehren gezogenen "Gesinnungsethiken" ab, so nennt es als Beispiel Judith Butler in "Kritik der ethischen Gewalt" (Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007). Dagegen setzt sie eine "Verantwortungsethik", die allerdings anhand einer Reflexion über jene titelgebende "ethische Gewalt" entwickelt wird. Es ist entsprechend abzusehen, dass sie sowohl textimmanent wie texttranszendent diesem Prinzip gemäß die Verbrechen der Terrororganisation Hamas als "legitimen" Widerstand bezeichnet und sich also an bestimmten Stellen selbst gegenüber "ethischer Gewalt" verhalten muss, bzw. eben selbst als Lösung des Dilemmas, als unmoralisch zu gelten, ein neues Konzept von Ethik an, das mit dem Anspruch auftritt, bisherigen Formen von - dann: - "Gesinnungsethik" überlegen zu sein, da sie flexibler, reflexiver, dynamischer und in permanenter Selbstkritik sei. Allein ist der Unterschied künstlich, und die Ausprägungen von den jeweiligen Positionen abhängig. In der hegemonialen Position ist Selbstkritik nicht in derselben Weise entscheidend notwendig wie im oppositionellen Subalternen.
Ein so im Begriff gefasster Idealismus, der also auch Enthusiasmus meint, bringt es der Linken ein, von rechts dafür beschimpft oder verspottet zu werden. Auf der gegenüberliegenden Seite allerdings gibt das Bewusstsein moralischer Überlegenheit auch Potenzial für narzißtische Wettbewerbe, in denen Influencer mit sogenannten Takes antreten, deren polemische Schärfe getragen ist von der Performanz eines moralisch Anklagenden. Die Entfremdungstheoreme bieten sich im nächsten Schritt sogar wieder dafür an, diese Beobachtung, dass es auch einen Wettbewerbscharakter, einen Warenformaspekt, dort gibt, wo Linke moralisch anklagen, selbst wiederum zum Gegenstand einer moralischen Klage zu machen, dass es mit der Entfremdung des Arbeiters von den Produktionsmitteln durch die kapitalistische Produktionsweise jetzt so weit schon gekommen sei, dass selbst die linke Opposition mit ihren Moralismen einen Markt bediene.
Allerdings - und das zeichnet diese Art der Kritik aus - entlehnt sie zwar die Warenform aus der Dialektik, aber die Entfremdung, die dann mit der von "der Natur" zusammenfällt, wird so stark betont, dass Warenform und Gebrauchswert auseinanderfallen. Die religiös-apokalyptische Naherwartung, mit der leider viele auf die Nachricht vom menschengemachten Klimawandel reagieren, verrechnet diese abgekürzten Zukünfte mit den Gebrauchswerten. Es ist kein lukratives Geschäft, ein Haus auf einer Insel zu bauen, die sinkt. Nur während der reaktionär eingestellte Grundbesitzer eben seine Gründe und Möglichkeiten hat, einfach direkt diesen Satz selbst zu sagen. Dieser kann unmittelbar die Warenform ansprechen, während der Linke den Umweg über die Klage über den (angeblichen) Verlust des Gebrauchswerts wählt. Dabei ist allerdings nicht nur die sehr undialektische Einseitigkeit zu bemängeln, wie als ob ein Mensch bestehen könnte, Zugehörige einer Arbeiterklasse, für die es keine Waren, nur Güter gäbe, wie als ob die sogenannte Almende, wo also etwas noch nicht als Ware kapitalisierbar war, nicht eben deshalb dieses nicht als Ware kannte, sondern als ob es einer besonderen Anschauung zu verdanken sei, dem Warenformaspekt zu entsagen. Es findet eine Einbettung in ein strukturell religiöses Narrativ statt, das eine außeralltägliche bis sakrale Markierung der als "Endzeit" erlebten Gegenwart vollzieht, die aber gemäß den fiktiven Formaten so angelegt ist, dass es darum geht, eine Krisenzeit zu durchstehen. Dabei erhebt der chiliastische Rahmen die Auseinandersetzung auf die Ebene eines Kampfes zwischen Gut und Böse. Insofern ist der Begriff "Endzeit" auch insbesondere eine Drohung an den Gegner.
Das religiöse Skript ist allerdings nur ein besonders populäres, auf das von rechts und in gerade emotional angeregten Zuständen auch von links zurückgegriffen wird. Hinzukommt, dass der verworfene Gebrauchswert der Dinge dieser Welt Potenzial hat, der Container dafür zu sein, alle möglichen nostalgischen Vergangenheitsprojektionen in sich aufzunehmen. Die geballte Wucht verhinderter Wünsche, das "Ihr habt meine Kindheit gestohlen" der Greta Thunberg, alles das wird der Sternenstaub, aus dem die Projektion Texturen der gewünschten, aber verlorenen Welt herstellt.
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"The System is Broken and it Must be Fixed" ↔ "The System is Working Exactly as Intended And Must Be Destroyed"
(1) Seiner Zeit innerhalb der Soziologie etablierten Nachfolgende des Kritischen Rationalismus eines Karl Popper Verfallsgeschichten, die methodisch den Positivismusstreit perpetuieren, das Ende der Vernunft dort suchen, wo qualitative Methoden zum Einsatz kommen, denen, ähnlich wie früher Popper schlechten Leninist*innen ihre Nicht-Dialektik vorgeworfen hatte, heute zugeschrieben wird, Wissenschaft zu ideologisieren, obwohl das bisschen Vielfalt, das als Gegenstand qualitativer Betrachtungen wenigstens ins Sichtfeld geraten soll, höchstens noch alibimäßig mit einem kleinen Zeh an irgendwie linke Theorien anschließt. Dabei verbleibt ein dermaßen naturalistisch oder sonstwie quantitativ bestimmter Forschungsansatz methodisch konservativ, hat also in der Methodendiskussion nur Negatives zu sagen, argumentiert ausschließlich politisch, der Beitrag der Opposition wird nicht als methodenreflexiv tatsächlich relevant anerkannt, sondern der Ausschluss dieser 'anderen' Methodik ist vorgängig. Der Ausbau zu einem tendenziell paranoid konspirativen Narrativ der böswilligen Ideologisierung von Wissenschaft benötigt also andersherum auch keinerlei zusätzlichen Anstoß, es liegt die Vermutung nahe, dass bereits die konservative Ausgestaltung der Methoden nicht nur kein Antidot gegen diese Art der Selbstviktimisierung bereithält, sondern sogar selbst diese reaktionäre Art zu antworten motiviert.
(3) Diese Perspektive war zu einem bestimmten Zeitpunkt fortschrittlich, nämlich zu einer Zeit, in der religiöse Anschauungen die Frage der Einrichtung der Welt nur unter der Voraussetzung ihrer grundsätzlichen Verfallenheit und Sündhaftigkeit zugelassen haben und gleichzeitig schon eine Abweichung im Glauben bekämpft worden war. Die neue vermessene Welt war zwar vernünftiger, aber nicht unbedingt gerecht eingerichtet. Die Idee der Gerechtigkeit bleibt als säkularisierter Motivans nicht nur für neue "Konfessionen", "Denominationen", "Neuoffenbarungen", "neue religiöse Bewegungen", "Sekten", "Weltanschauungen", "Weisheitslehren", "Philosophien", "Idealismen", "postmaterialistische Werte". Allerdings macht die gute Absicht noch keine gute Kritik. Es ist nicht einfach, dass eine solche idealistische Weltauffassung mehr erreicht, als dass sie den vernünftigen Fortgang des Weltgeschehens damit stützt, dass sie deviante Einzelne therapeutisch begleitet. Viel besser war auch nicht die "Deutsche Ideologie", welche Karl Marx und Friedrich Engels kritisierten. Aus der Übertragung der Umwälzung in der Physik ins idealistische "Naturrecht" wurde auf Seiten des Geistes in der "Deutschen Ideologie" dort fortgesetzt, wo auf Seiten der Materie aufgehört worden war. Das Produkt der fürstlich bezahlten Philosophen bot dabei eine angeblich Gerechtigkeit und Vernunft in Einklang bringende Lösung an, in der allerdings das Ideal der Gleichheit der Menschen an einer in Klassenverhältnissen stehenden Wirklichkeit bricht.
(4) Marx als Philosoph problematisiert im Folgenden sowohl naturalistische wie idealistische Auffassungen und stellt diesen eine eigene dritte "Methode", den historisch-dialektischen Materialismus, gegenüber. Das allerdings wird in der Rezeption sowohl unter Linken wie Konservativen und Liberalen nur selten konsequent beachtet. Heute wird er oft entweder zum Religionskritiker, der eine naturwissenschaftlich fundierte Perspektive auf dem Gebiet der Wirtschaft ermöglicht, oder zum Religionsstifter, der durch irrationale Sätze von angeblichen Widersprüchen vielen eine naturwissenschaftlich fundierte Perspektive auf dem Gebiet der Wirtschaft verbaut. Das heißt, er kommt auch unter Linken entweder zum Einsatz, um z.B. antiimperialische Sätze auf die Höhe von naturgesetzlichen Bestimmungen zu hieven oder um z.B. antiautoritäre Sätze aus einer Ideengeschichte heraus (autoritär) abzuleiten; bzw. im besten Fall, um Dialektik nachzuvollziehen und selbst anzuwenden.
(5) Postmarxismus ist vor allem post (nach) den Verbrechen Josef Stalins. Diese Autor*innen akzeptieren, in den Verbrechen des Stalinismus eine konsequente Folge der marxistisch-leninistischen Theorie zu sehen, genauso wie sie zumindest akzeptieren, dass diese Theorie für eine eigene Methode steht, allerdings dann Voraussetzungen suchen, die idealistisch einen wieder neuen weiteren Rahmen stecken, der dem Anspruch folgt, auch Brüche der Moderne und ihre master stories (Lyotard) zu integrieren. Das heißt, im Resultat wird aus einem "poststrukturalistischen" wieder ein "idealistischer" Ansatz, auch wenn der Begriff des Poststrukturalismus eine lernende Bewegung vorgibt, von der Idee zur Struktur und wieder darüberhinaus. Zumindest lässt sich kritisch anmerken, dass der Anspruch möglicherweise scheitert, mehr als eine klassische idealistische Methodik, also ein auf metaphysisch gesetzten Letztbegründungen aufbauendes und naturalistische Verhältnisse in einer Totalität transzendierendes Weltsystem (oder "Religion"), versetzt mit etwas nominalistischer Aufklärung und dem Gefallen an einer Ästhetik der naturwissenschaftlich inspirierten Metaphorik, anzubieten. In der politischen Sphäre des Liberalismus und Konservativismus haben mit ähnlichen Zutaten gezimmerte Okkultismen und Selbstoptimierungslehren weniger Veränderungen des globalen Zustandes der gerechten Verteilung der Güter und Möglichkeiten zum Gegenstand. Das heißt auch, dass zwar eine Novizität in der Theorie nachvollzogen und dementsprechend wiederholt wird, allerdings scheiden sich die Geister in der Frage, sowohl was genau den historisch-dialektischen Materialismus ausmache, als auch, in welcher Hinsicht er methodisch herausrage, selbst wenn bereits bekannt ist, dass im Bild Odysseus zwischen den Seeungeheuern Skylla und Charybdis, die in der Antike zumeist an der Meerenge von Messina vermutet wurden, passieren muss, und dass es dabei um den "Streit der Fakultäten" (Immanuel Kant), der naturwissenschaftlichen und der geisteswissenschaftlichen, geht.
Zionist killing machine operates non-stop [...]"
(6) Die populäre Fehlannahme besteht darin, die eigene Methode von Marx im Umfeld der Entfremdungstheorie zu suchen. Die Entfremdung des Arbeiters von den Produkten des Unternehmers innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise bietet sozusagen aus Ähnlichkeitsgründen so etwas wie ein mögliches Einfallstor für Metaphysiken des Verfalls, für eine Entfremdung von der Natur durch "das System", dem schließlich eine säkular getarnte teuflisch-göttliche Qualität zukommt, eine insgeheime Intension, deren theoretische Annahme gelegentlich als Spuren einer Art höheren Willens bzw. von tief kulturell verankerten Traditionen religiös zu schreiben, die Begriffe färbt. Das in der eigenen Theorie durchgestrichene, dekonstruierte, entgrenzte Objektive macht die Natur als vollkommen Anderes, als nicht erkennbare, aber existentiell erfahrbare Wirklichkeit, auf eine an die Gnosis erinnernde Weise ewig, unsagbar und heilig.
(7) Umgekehrt ist es der Sprung aus der Geschichte, die Ablehnung der Produktivkräfte, ein "Drüben", das in einer Zone jenseits der kapitalistischen Produktionsweise noch antiimperialistisch im Vorher angesiedelt ist, oder eben gerade nicht "angesiedelt", es ist das Gegenteil jedes "Siedlerkolonialismus", es ist die autochtone Urnatur, die gleichsam übervölkisch als natürliche Ordnung allem und jedem wie jeder seinen bzw. ihren Platz zuweist. Es ist eine romantisierende Projektion, die eine aus naturalistisch verkürzten Objektbeschreibungen gezogene und damit enthistorisierte Wunschnatur an die Stelle einer fortschrittlichen Utopie setzt und damit eine in ihren Bestandteilen austauschbare Struktur liefert, in der auch die islamistisch entsprechend verweltlichte Umma als Gemeinschaft aller Gläubigen ihren (neuen) Platz findet. In einer so gedachten Revolution muss die historische Entwicklung der Produktionsweisen als Irrtum völlig abgerissen werden. Der Antimythos gilt hier den integrierten (vermeintlichen oder tatsächlichen) Mächtigen, nicht wie zuvor im Reaktionären den abweichenden Dissidenten. Naturhaftigkeit kommt dem jeweils positiven Mythos immer zu, er ist eben im konservativ-reaktionären Fall affirmativ einen Status Quo verfestigend, im postmarxistisch-antiimperialistischen Fall wird der Status Quo problematisiert, d.h. in der Zuspitzung als Mythos und nicht als Dialektik: in seiner Zerstörung.
(8) Zwar spielt sowohl im reaktionären wie im progressiven Modus Moral eine besondere Rolle, sie gestaltet sich aber unterschiedlich aus. Im einen Fall ist sie mehr Attribut des zu bewahrenden oder wiederherzustellenden Ordnungsgefüges, stärker Besitz als Auftrag. Die Verteidigung der von Verfall und Bedrängnis bedrohten Werte kann sich diesen ganz äußerlich gegenüber verhalten, im radikalen Dualismus eines Wir-Sie-Denkens ist alles "erlaubt", auch ein Nebeneinander niederer Gelüste und eines Interesses, eine moralische Ordnung zu erhalten. Dabei zeigt sich aber auch immer eine fehlende innere Überzeugung, eine fehlende Konsequenz in Bezug auf Lehrsätze jeweiliger religiöser Anschauungen oder Moral wahrscheinlich universalistischer ausgestaltender Philosophien, und - manchmal - ein Wissen um dieses Fehlen, diese Fehlbarkeit. Das zeigt sich auch in der Art und Weise, wie Reaktionäre die moralischen Ideen der Linken betrachten.
Abb. "Kastanie". "Letzte Woche habe ich mich nicht krank gemeldet. Obwohl da diese Jugendlichen gewesen waren, die mich mit Kastanien beworfen haben. Ich hatte nur eine Pause an der Arbeit gemacht. Dort auf dem Gelände [...]. Ich hatte mir auch erst nichts gedacht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er wirklich auf mich zielt. Die Kastanien prallten an der Glasscheibe ab, die als eine Art Raucherpavillon da herumsteht. [...] Das Erstaunliche ist aber auch, dass es in meinem Projekt über meine Geschichte einen Kastanienbaum gibt. Weil ich 2001 eine Hausarbeit geschrieben hatte über Erwin Wickerts 'Der Klassenaufsatz'. Darin geht es um einen Jungen, der in den 1920er Jahren einen Aufsatz schreiben sollte, wie er sich die eigene Zukunft vorstellt. Aber der Junge, Kilian, schrieb nur ein Gedicht über den Kastanienbaum vor dem Fenster. Diese Hausarbeit wäre veröffentlichungswürdig, neue Forschung, meinte der Prof damals 2001. Ich schaffte es aber nicht, das zu glauben. Ich veröffentlichte nicht. [...]", 11.09.2025, über den 03.09.2025. "Rechtsaußen-Publizist Matt Forney spricht hoffnungsvoll vom 'American Reichtstag Fire'", Raimund Neuß, "Kölnische Rundschau", 11.09.2025, 19.10 Uhr, "Mord an [dem US-amerikanischen politischen Aktivisten Rechtsaußen, Podcaster, Autor, evangelikalen Christen und Trump-Unterstützer] Charlie Kirk [am 10. September auf dem Campus der Utah Valley University um die Mittagszeit] als amerikanischer Reichtagsbrand?". "In der Nacht auf Mittwoch [dem 10. September], hat - inmitten einer russischen Angriffswelle auf die Ukraine - eine größere Zahl von Drohnen den polnischen Luftraum verletzt", tagesschau.de, 10.09.2025, 15:54 Uhr, "FAQ. Vorfall im NATO-Luftraum. Drohnen über Polen - was bedeutet das?". "Vor etwa 2 Stunden hat die israelische Luftwaffe einen Luftangriff auf hochrangige Figuren der Hamas durchgeführt... in Qatar. Als mir die Push-Meldung per Smartphone geliefert wurde, konnte ich es kaum glauben. Das ist meines Wissens nach das erste Mal überhaupt, dass Israel das Territorium eines arabischen Golfstaats direkt angegriffen hat. Sowas tut man nicht leichtfertig, weil es eben ganz offensichtlich ein Verstoß gegen die Souveränität des Staates und damit des Völkerrechts ist. Offenbar hat die israelische Armee ein einzelnes Gebäude angegriffen, wo vermutet wurde, dass sich hochrangige Figuren der politischen Führung der Hamas dort aufhalten. Darunter sollen Khaled Meshaal und Khalil al-Hayya sein, aber auch zahlreiche weitere wichtige Figuren. Diese hatten sich wohl dort versammelt, um einen amerikanischen Vorschlag eines Waffenstillstandsabkommens zu besprechen [...]", Manuel Störmer, Facebook, 09. September um 18:04.

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